Mittel mit Benzodiazepinen zum Beispiel haben den Vorteil, dass sie ihre Wirkung sehr rasch und meist auch sehr effizient entfalten. Dies allerdings nur dann, wenn sie sporadisch, zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosierung eingenommen werden. Werden diese mittel jedoch über längere Zeit oder gar dauernd geschluckt, so kann es nicht nur zu suchtähnlichen Abhängigkeiten, sondern auch zu konträren Wirkungen kommen, die so paradox dies klingen mag bis zur Schlaflosigkeit führen können. Dazu kommt, dass nicht jeder mit einem Schlaf-Medikament herbeigeführte Schlaf auch ein erholsamer Schlaf ist.
Es empfiehlt sich deshalb bei jeder Schlafstörung, die während längerer Zeit andauert, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Gelingt es, sich darüber Klarheit zu verschaffen, so bietet sich zumeist schon eine klare Strategie auf der Grundlage "sanfter" und nachhaltig wirkender Mittel und Nahrungszusätze an. Tatsächlich lassen sich mit den folgenden vier Wirkstoffen die meisten aller einfach therapierbaren Einschlaf- und Durchschlafprobleme effizient und dauerhaft lösen:
Melatonin
Melatonin ist ein natürliches Hormon, das von der menschlichen Zirbeldrüse gebildet wird. Seine Hauptfunktion besteht darin, dem Menschen einen ruhigen, erholsamen Schlaf zu bescheren. Diese Wirkung gilt heute als wissenschaftlich erwiesen und gesichert. Da sich die Produktion und Ausschüttung des Zirbeldrüsenhormons mit zunehmendem Alter stark zurückbildet, haben viele ältere Menschen organisch bedingte Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen.
Durch die zusätzliche Einnahme von Melatonin kann in diesen Fällen geholfen werden. Allerdings sollte das Hormon nicht mit konventionellen chemischen Schlafmitteln kombiniert werden, da sonst die Wirkung des Melatonins praktisch aufgehoben wird. Zudem sollte Melatonin, welches seiner Zweckbestimmung entsprechend Müdigkeit verursacht, stets vor dem Schlafengehen und nicht während des Tages und schon gar nicht vor einer anspruchsvollen, volle Aufmerksamkeit erheischenden Tätigkeit! eingenommen werden.
Gibt es neben den organischen noch weitere Gründe für Schlafstörungen, so können die folgenden, auf pflanzlicher Grundlage gewonnenen Nahrungsergänzungsmittel der vorgängigen Diagnose entsprechend mit Melatonin kombiniert werden:
Johanniskraut (Millepertuis, St Johns Wort)
Johanniskraut ist eine auch in unseren Gegenden sehr verbreitete Pflanze. Man findet sie häufig an Wegrändern und Wiesenborden. Als Heilpflanze ist Johanniskraut seit dem 6. Jahrhundert dokumentiert namentlich für die Behandlung schlecht heilender Wunden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte ein amerikanischer Arzt die psychoaktiven Stoffe der Pflanze. Vor allem das in der Pflanze enthaltene Hyperizin wirkt stimmungsaufhellend und hilft bei leichten Depressionen und Angstzuständen.
Da psychische Faktoren wie Niedergeschlagenheit, depressive Verstimmungen und Angst viele Menschen am Einschlafen hindern, können Johanniskraut-Präparate hier eine wertvolle Hilfe bieten. Weil vom Johanniskraut keine unerwünschten Nebenwirkungen bekannt sind mit Ausnahme einer etwas höheren Lichtempfindlichkeit bei fortgesetzter Einnahme in hohen Dosierungen ist ein entsprechender Versuch praktisch risikolos.
Baldrian (Valériane, Valerian Root)
Seit langer Zeit kennt man auch die sedativen d.h. beruhigenden Wirkungen des Baldrians. Bei dieser bedeutenden Heilpflanze gelangen vor allem die Wurzeln zur Verwendung, die zu Pulver zerrieben oder zu leicht ölhaltigen Essenzen verarbeitet werden. Baldrian wirkt allgemein beruhigend und wird bei nervösen Erregungszuständen und Angst verabreicht. Häufig sind auch Anwendungen gegen das Rauchen, da Baldrian den Entzugserscheinungen entgegenwirkt und zugleich das Verlangen nach Tabakrauch hemmt.
Zugleich gilt Baldrian als klassisches Schlafmittel. Seine beruhigenden, angstlösenden, muskelentspannenden und zugleich leicht krampflösenden Eigenschaften bewirken eine Förderung der Schlafbereitschaft und des Einschlafens.
Rauschpfeffer (Kava-Kava)
Kava-Kava stammt aus dem Südpazifik, deren Urbevölkerung daraus ein kultisches Getränk bereitet. Bereits der englische Weltumseglers James Cook (1728-1779) kannte diese Pflanze und deren Wirkung. Die angstlösenden, beruhigenden, mukelentspannenden und krampflösenden Eigenschaften des Rauschpfeffers wurden später in Laboratoriums- und klinischen Versuchen bestätigt. Die lange in Vergessenheit geratene Pflanze wurde vor kurzem wieder entdeckt im Zuge des vor allem in Amerika herrschenden Trends nach natürlichen und nebenwirkungsarmen Gesundheitsprodukten. Sie wird heute vor allem und mit gutem Erfolg gegen jede Form von Stress eingesetzt als sanfte Alternative zu den verbreiteten Psychopharmaka.
Da berufliche und private Überforderungen sich sehr häufig in eine Art von Dauerstress münden, liegt hier eine der verbreitetsten Ursachen von Schlafstörungen. Gestresste Leute finden nicht nur ihren Schlaf nicht, sondern sie neigen auch zu einem unruhigen, oft unterbrochenen und wenig erholsamen Schlaf, der sie wiederum anfälliger macht für die nächste Stresssituiation ein verhängnisvoller Kreislauf gleichsam, den heute sehr viele Betroffene mit Kava-Kava zum Stoppen bringen können. Kontraindiziert ist Kava-Kava jedoch bei endogenen d.h. nicht durch äussere Ereignisse veruirsachten Depressionen.
Auf dem Markt gibt es mittlerweile verschiedene Kombinationspräparate mit diesen Stoffen, die nach verschiedenster Philosophien gemischt und dosiert werden. Es empfiehlt sich jedoch, sich an sogenannte "Monopräparate" zu halten, welche differenziert und ursachenspezifisch eingesetzt werden können. Die meisten dieser Präparate sind in den USA frei erhältlich. In der Schweiz und in verschiedenen anderen europäischen Ländern bestehen jedoch handelspolitische Schranken, die einem Binnen-Angebot dieser Substanzen insbesondere solchen mit Hormonen zum Teil (noch) im Wege stehen.
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