Gluten - Geisteskrank durch dieses beliebte Nahrungsmittel?

In den letzten Jahren sind Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) und glutenfreie Diäten zu einem wichtigen Thema in der Ernährungswissenschaft geworden. Doch schon seit dem zweiten Weltkrieg ist das "Klebereiweiß" Gluten zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden, denn es hat sich herausgestellt, dass mit der Knappheit an glutenhaltigen Lebensmitteln auch eine Reduktion der aufgrund psychischer Probleme erfolgten Ersteinweisungen einherging.

Frühe Studien

Seit 1951 wird die Zöliakie mit Erkrankungen wie Schizophrenie in Verbindung gebracht. So konnte Sleisenger 1954 feststellen, dass innerhalb einer Gruppe von 32 von Zöliakie betroffenen Erwachsenen immerhin drei Schizophrene waren, und von dem Forschungsteam um Bossak, Wang und Aldersberg konnten in einer Gruppe von 94 betroffenen Patienten 1957 fünf psychotische Patienten nachgewiesen werden. 1966 erschien dann eine Studie, in der Dr. Dohan den statistischen Zusammenhang zwischen der Knappheit an glutenhaltigen Lebensmitteln und der Anzahl von Ersteinweisungen aufgrund psychischer Probleme in Finnland, Norwegen, Schweden, Kanada und den USA vor, während und nach dem 2. Weltkrieg aufzeigte.

1976 konnte gezeigt werden, dass die Gabe von glutenhaltigen Lebensmitteln in einer ansonsten glutenfreien Ernährungsweise zu Rückschlagen in der therapeutischen Entwicklung von Schizophrenie-Patienten führte.

Eine Studie aus dem Jahr 1984 konzentrierte sich auf einheimische Bevölkerungen in Papua Neu Guinea, Malaita, den Solomon-Inseln und Yap. Während von 65.000 Untersuchten nur zwei Schizophrene identifiziert werden konnten, stieg diese Anzahl stark an, als glutenhaltige Lebensmittel in die Ernährung aufgenommen wurden.

In einer skandinavischen Studie konnte 2006 gezeigt werden, dass die Symptome der Schizophrenie zurückgingen oder ganz verschwanden, wenn glutenhaltige Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen wurden. In den letzten Jahren konnten Studien zeigen, dass von Schizophrenie Betroffene aufgrund von Zöliakie und Glutenüberempfindlichkeit eine siebenmal erhöhte Menge an Antikörpern aufwiesen.

Aktuelle Erkenntnisse: Gliadin und Schizophrenie

2010 wurde gezeigt, dass bei Schizophrenie-Patienten eine Immunreaktion auf Gliadin, das immunotoxischer Bestandteil des Klebereiweißes Gluten ist, auftritt.

Die neueste Studie zu Gliadin datiert von 2013 und wertet Daten aus, die auf den Blutproben von 950 Schizophrenie-Patienten und einer Kontrollgruppe von 1000 nicht Betroffenen basieren.

Dabei konnte festgestellt werden, dass Schizophrene eine 2,13-mal höhere Wahrscheinlichkeit aufwiesen, Anti-Gliadin-Antikörper im Blut zu haben, also allergisch auf diesen alkohollöslichen Komplex des Gluten zu reagieren. Bei Zöliakiekranken führt der Genuss von glutenhaltigen Lebensmitteln zu einer Autoimmun-Reaktion, bei der das Protein durch Transglutaminase verändert wird, seinerseits mit dem Dünndarm reagiert und eine Entzündung auslöst, die zur Schädigung der Darmzotten und zu den bekannten Symptomen wie Durchfall führt. Die Ergebnisse, die unter dem Titel "Elevated gliadin antibody levels in individuals with schizophrenia" (zu deutsch etwa: "Erhöhte Level von Gliadin-Antikörpern bei schizophrenen Menschen") im World Journal of Biological Psychiatry veröffentlicht wurden, zeigen, dass Gliadin im Verdauungsprozess nicht in einzelne Aminosäuren aufgespalten wird, sondern dass die Makromoleküle zu Antigenen werden und Immunreaktionen des Körpers verursachen können.

Dass die Antikörper sich im Blut befanden, bedeutet bereits, dass die Darmwände durchlässig sind. Gliadin ist unter anderem deswegen so gefährlich, weil es die Aktivitäten des Proteins Zonulin anregt, das wiederum Auslöser vieler Darmerkrankungen und Autoimmunerkrankungen sein kann. Es scheint so, als würden sich die Antikörper des Gliadins an Synapsin I binden, das wiederum in den Axonen der Nervenzellen vorkommt - was wahrscheinlich erklärt, warum Probleme wie Neuropathie, Ataxie, Anfällen und Verhaltensänderungen mit Glutenverzehr einhergehen können. Auch Autismus wird mit dem Genuss von Gluten in Verbindung gebracht.

Ist Gluten nur für Schizophrene und von Zöliakie Betroffene schädlich?

Gliadin-Antikörper können bei etwa 27 Prozent der Weltbevölkerung und bei ganzen 57 Prozent der Schizophreniekranken nachgewiesen werden. Zwar sind die körpereigenen Prozesse und die chemischen Wechselwirkungen im Körper zu komplex, als dass Gluten als alleiniger Verursacher von Erkrankungen wie neurologischen Störungen nachgewiesen werden könnte.

Wer jedoch vermutet, dass Gluten bei ihm negative Auswirkungen hat, sollte den Selbsttest wagen und einfach eine Zeitlang glutenfrei essen. Sofern damit eine Besserung des körperlichen und geistigen Befindens einhergeht, sollte Gluten gleich ganz vom Speiseplan gestrichen werden, selbst wenn klinisch noch keine Zöliakie festgestellt werden kann (dies ist leider erst möglich, wenn die Darmzotten schon sehr geschädigt sind). Schließlich gibt es noch viel zu erforschen, doch für Sie kann der Selbstversuch Klarheit bringen und einen Zugewinn an Lebensqualität bedeuten.

Fazit: Viele voneinander unabhängige Studien haben aufgezeigt, dass Glutengenuss und die Entwicklung psychischer Krankheiten wie Schizophrenie in einem Zusammenhang stehen. Inzwischen ist die Auswahl an Nahrungsmitteln, die der durchschnittliche Bürger zur Verfügung hat, groß genug, um glutenhaltige Lebensmittel vermeiden und dennoch eine ausgewogene Ernährung genießen zu können. Eine glutenfreie Ernährung ist keine Mangelernährung, und während sich herausgestellt, dass sie für Schizophrene einen Weg der Besserung darstellt, ist sie auch für psychisch gesunde Menschen sicher positiv.

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